96 Einzelschicksale – Ihr Politiker der Gemeinde – schaut auf Familie K.

So lebt man in einem Abrisshaus:

Unsere Wohnung und unser Garten stellen keine Außergewöhnlichkeit dar, so etwas gibt es vielfach im Ring, der immer noch regen Zuzug, zu den derzeitigen Bedingungen, spiegelt das Interesse wieder. Genau so zu wohnen!

Als junge Familie mit vier Monate altem Kind zogen wir 1978 in den Beckersbergring.

Damals gab es noch eine Warteliste. Uns wurde eine Wohnung aus einer Zwangsräumung angeboten, die zuvor von anderen abgelehnt worden war. Trotz desolatem Zustand nahmen wir die Herausforderung an. Wir entfernten Altanstriche, tapezierten Wände und Decken und fliesten. Schliffen und lackierten Treppen, verlegten Fußbodenbeläge – strichen den kompletten Keller; Nachdem wir die mit von Kerzenruss völlig geschwärzten Decken gereinigt hatten – isolierten den Dachboden und bauten eine neue Heizung (auf eigene Kosten) ein.

Der Garten wurde neu angelegt – Terrassenplatten und Dachabdeckung, sowie Zuwege erneuert und ein Gartenhaus errichtet.

Wenige Jahre später erteilte ereilte uns ein gesundheitlicher Schicksalsschlag der uns bis ans Leben Ende begleiten wird. Wir mussten erfahren, daß das Leben für niemanden planbar ist.

Umso mehr lernten wir die Vorzüge unserer gemütlichen Wohnung kennen, die uns immer wichtiger wurde. Als Erholungs- und Rückzugsort. Verwandte und Freunde, eine funktionierende Nachbarschaft gaben uns Halt.

Jeder kannte jeden.

Das Miteinander im Ring funktionierte ganz selbstverständlich. Wir hegten und pflegten unser zu Hause, selbst die umfangreichen Sanierungsphase überstanden wir. Von innen wurde unsere Wohnung seit Erstellung circa 1960 von den Eigentümer nicht saniert. Von außen wird die Gesamtanlage und Fassaden bewusst seit Jahren vernachlässigt, um dem Abriss bewusst voranzutreiben.

Nach 40 Jahren als Mieter im Beckersbergring möchten wir nicht umziehen. Wir wollen unser zu Hause behalten. Die lange Zeit der Ungewissheit, der ständige Kampf, dass Gefühl rausgemobbt zu werden…

Lebensbedingungen und Nachbarschaften die uns fremd sind, die umsorgt werden, während wir alleine gelassen werden, lassen uns gefühlsmäßig schneller altern und machen uns krank und kränker.

Menschen, die wir zu unseren Vertretern wählten, verfügen mit einer Arroganz und Kaltblütigkeit über unser Schicksal, dass der Begriff sozial für uns nicht mehr zu deuten ist. Mit den uns bisher bekannten Zugeständnissen unseres Vermieters wird unser zukünftiges Leben zumindest nicht besser nur teurer. Ein Umzug, ob nun innerhalb des Beckersbergringes oder ins Ungewisse, wird uns auf jeden Fall schaden und eine enorme mentale, wie finanzielle Belastung.

Wie wir Abriss Bauphase, Umzugskosten, Neuorientierung verkraften wissen wir nicht.

Für uns ist es nicht zu schaffen.

Unsere Lebenszeit läuft!

Wir haben nur die eine! 

 

 

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